Geschichte unserer Kirche
Die Hippolit-Kirchengemeinde in Amelinghausen hat wahrscheinlich eine mehr als 1000-jährige Geschichte. Die genauen Umstände der Germeindegründung liegen im Dunkeln. Waren es fränkische Siedler, die einst die Kirche erbaut
haben und dem Heiligen Hippolit eine besondere Verehrung zuteil kommen ließen? Urkunden darüber fehlen. Wenn dem so wäre, dann könnte schon in der Mitte des 9. Jahrhunderts eine erste Gründung vorgenommen worden sein. Oder
war der Kirchenerbauer ein Jahrhundert später der Verdener Bischof Amelung, ein Bruder des streibaren Markgrafen Hermann Billung? Bischof Amelung ist als ein Verehrer von Hippolit durchaus bekannt.
Bischof Amelung ist am 5. Mai 962 gestorben. Hat er die Kirche gegründet , um eine persönliche Anerkennung für den heiligen Hippolit zum Ausdruck zu bringen? Noch fehlen Dokumente, die diesen Schritt von
Bischof Amelung belegen würden.
Seit den Anfängen vor wohl 1000 Jahren haben vier verschiedene Kirchbauten an ein- und derselben Stelle
gestanden. Zunächst hatte man eine kleine Holzkirche, vergleichbar wohl dem Kirchraum, der am Eingang des Heideparks in Soltau steht. Sie ist eventuell 1170 durch eine Feldsteinkirche ersetzt worden, wenn ein gefundener
Feldstein im Fundament mit der in hebräischen Buchstaben eingemeißelten Jahreszahl 1170 das Baujahr anzeigt. Es ist sicher, dass im Jahr 1501 ein steinerner Rundturm angegliedert ist. Die Kirche hat danach so
ausgesehen wie die heutigen Gotteshäuser in Salzhausen oder Betzendorf. Nach der Holzkirche und der Feldsteinkirche, die leider wegen Verwahrlosung abgerissen worden ist, hat man 1750 eine Fachwerkkirche (frühklassizistisch)
errichtet. Dazu hat man wohl noch Feldsteine der früheren Kirche als Sockel verwendet. Das zeigt die Nordwand der heutigen Kirche, die nach dem Brand von 1818 erhalten geblieben ist. Die zum vierten Mal an demselben Ort
errichtete Kirche ist im klassizistischen Stil von 1818 bis 1820 wieder aufgebaut worden. Die alte, frühklassizistische Nordwand aus Fachwerk von 1750 ist mit einer neuen Ost-,Süd- und Westwand verbunden worden. So das
Kirchengebäude ohne den Turm einen klssizistischen Eindruck. Aus finanziellen Gründen hat man von 1820 bis 1895 keinen Kirchenturm errichten können. Man hat mit einer Glocke geläutet, die in einem Glockenhaus aus Holz auf
dem Gelände des heutigen Glockenhofs stand. 1895 erst sollte ein neugotischer Kirchturm erbaut werden. Er ist rund 40 Meter hoch. In ihm sind drei Gußstahlglocken, die bis heute geläutet werden. Fällt der Blick auf den Turm,
und das ist verständlicherweise leicht der Fall, ordnet man die Kirche der Neogotik zu. Bleibt man bei der Betrachtung länger am Kirchenschiff verhaftet, dann denkt man eher an den klassizistischen Stil. Die Kirche liegt
direkt an einer sehr, sehr verkehrsreichen Bundesstraße. Sie bietet durch eine festliche Atmosphäre einen guten Kontrast zu Geschwindigkeit, Effektvitätsdenken und nüchterner Betriebsamkeit. Sie schottet sich aber
nicht ab und flieht nicht in idyllische Scheinwelten.
Hippolit - unser Namenspatron
Hippolit wurde Ende des 2.Jahrhunderts nach Christi Geburt im östlichen Mittelmeerraum geboren und nimmt später seinen Weg nach Rom. Er gehört zu den herausragenden christlichen Persönlichkeiten im dritten Jahrhundert. Er
erstellt als Theologe Bibel-Kommentare und fördert so auf zeitgemäße Weise die wissenschaftliche Schritftauslegung. Er formuliert Abendmahlsgebete, die unsere katholische Schwesterkirche bis heute in Gebrauch hat.
Er schreibt umfangreiche Kirchenordnungen. Er gerät in Auseinandersetzungen mit dem Papst Kalixt I. Hippolit gewinnt zunächst mmer mehr Zustimmung in Gemeindekreisen. Seine Anhänger greifen zum äußersten Mittel
und rufen Hippolit zum Papst anstatt des amtierenden Papstes Kalixt aus. Dieser Schritt aber hat für viele zu weit geführt. Die Anhängerschar von Hippolit bröckelt auseinander. Hippolit gewinnt nicht wirklich
ein Autorität, die dieses Amt benötigt. Im Gegenteil: als die Christenverfolgung wieder aufflammt, wird Hippolit nach Sardinien verbannt und erleidet durch unmenschliche Zwangsarbeit in einem Steinbruch im Jahre 235 nach
Christus den Märtyrertod. Die Gemeinde schafft innerhalb eines Jahres zu seinem Gedenken ein Statue aus Marmor. Diese Plastik ist die älteste, zur Zeit bekannte Statue der Christenheit und steht bis heute am Eingang
der vatikanischen Bibliothek in Rom. Hippolit wird im 4. Jahrhundert zu einem viel verehrten Heiligen. Im 8. Jahrhundert überführt man seine Gebeine ins Elsaß, und zwar nach St.Hippolyte bei Colmar. Im
Mittelalter sieht ihn die Volksfrömmigkeit nicht als Kirchenschriftsteller, sondern als Schutzpatron der Pferde, aber auch als Schutzheiligen der Strafgefangenen und ihrer Wächter. Sein Gedenktag ist der 13.
August. Wir finden es sehr passend, dass Hippolit als Schutzpatron der Pferde einer Kirche den Namen gibt, an der dicht vorbei Fahrzeuge mit immensen "Pferdestärken" ununterbrochen ihren Weg nehmen, aber auch dann
und wann noch Reiter die Straße überqueren oder zur Heideblüte Kutschen fahren.
Ausstattung unserer Kirche
Ein furchtbarer Brand hat im Jahr 1818 Teile des Ortes Amelinghausen einschließlich der Kirche zerstört. Erhalten geblieben ist ein einziges Kreuz , das aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts stammt. Es war ursprünglich wohl
ein Sargkreuz oder ein Vortragekreuz für Leichenprozessionen. Erst danach ist es in die Kirche gelangt, war über 140 Jahre im Bauschutt, den man 1820 direkt neben der heutigen Kirche abgelagert hatte. Es
ist durch Bauarbeiten neben der Kirche gefunden worden und hängt heute an einer Säule in der Kirche. Schmelzspuren der Feuershitze von 1818 sind
sichtbar. Nach dem Wiederaufbau des Kirchenschiffs 1820 ist ein neues Taufbecken in die Kirche gekommen
(neoromanisch). 1840 hat die Gemeinde einen Orgelneubau von der Firma Altendorf & Bergemann in romantischer Registrierung vornehmen lassen. 1961 hat man die Orgel umgebaut, indem man dem damaligen Trend zum Barock
gefolgt ist. Im Jahre 2001 ist die Orgel umfangreich renoviert worden und auf 21 Register erweitert worden. Eine Rückführung auf die Orgel von 1840 war nicht sinnvoll, weil der Eingriff 1961 sehr viel verändert
hat. 1937 hat die Gemeinde in die Nordfenster Buntglasscheiben mit Motiven der Bibel, des kirchlichen Lebens und der Frömmigkeit sowie Wappen der Familien, die die Fenster gespendet haben, erhalten. 1970 hat Prof.
Seemann ein Altarkruzifix aus Messing geschaffen, das zu intensiver Betrachtung einlädt. Auch aus dem noch jungen 21. Jahrhundert kann man schon etwas
finden. Im Jahr 2001 hat der Künstler Donato Diez eine Hippolit-Figur gefertigt. Sie ist entstanden aus dem Holz
einer jahrhundertealten Linde im Pfarrgarten, die leider gefällt werden mußte und unter der Hochzeitspaare und Hunderte von Konfirmanden/innen photographiert worden sind. Mit dieser Hippolit-Schnitzfigur hat
die Kirche möglicherweise zum ersten Mal seit 1000 Jahren einen sichtbaren Hinweis auf den Namenspatron. Im Jahre
2003 haben 200 Schülerinnen und Schüler sowie 150 Frauen des Landfrauenvereins Amelinghausen das Neue Testament mit der Hand abgeschrieben. Es wird in einer Vitrine präsentiert.
Gottesdienste und andere Veranstaltungen
Die Kirche ist wochentags von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet (von Frühjahr bis Herbst). Sie möchte so zum persönlichen Gebet und zur Besinnung einladen. Dieses Angebot wird zunehmend von Touristen
angenommen. In der Kirche wird an jedem Sonntag und kirchlichen Feiertag um 10.00 Uhr Gottesdienst gefeiert.
Die Gemeinde gestaltet in der Regel ihren Gottesdienst nach lutherischer Liturgie. Sie legt aber auch Wert auf große Vielfalt. Sie erlebt Gottesdienste als Familengottesdienste, Gospelgottesdienste und
Christ-Nacht- und Osternacht-Gottesdienste. Dazu kommen Gottesdienste unter freiem Himmmel und jahreszeitliche Gottesdienste zu Beginn des Monats Mai, zur Heideblüte, zu Beginn des Herbstes und als Hubertus-Messe im
Spätherbst. Die Gemeinde freut sich über Konfirmanden - und Jugendgottesdienste, ökumenische Gottesdienste zu Christi Himmelfahrt und zu St. Martin und natürlich Jubiläumsgottesdienste zur Silbernen,
Goldenen und Diamantenen Konfirmation. Jedes Jahr ist ein plattdeutscher Gottesdienst zum Heideblütenfest auf dem Kronsberg. Ans Herz gewachsen sind vielen auch die musikalischen Gottesdienste mit den
Gemeindechören, mit vielen anderen Chören aus Amelinghausen und mit Orchestern aus Amelinghausen und aus anderen Ortschaften. Dazu kommen Gottesdienste aus aktuellem Anlass.
Außerdem bietet die
Gemeinde wochentags alle vierzehn Tage donnerstags um 09.30 Uhr und 10.30 Uhr einen Gottesdienst in den Alters- und Pflegeheimen an, zu dem die ganze Gemeinde eingeladen ist. Ganz wichtig und wertvoll ist der
Kindergottesdienst, zu dem Diakonin Frau Ulrike Dageförde mit ihrem Team alle 14 Tage am Sonntag um 10.00 Uhr einlädt.
Kinder ab dem 5. Lebensjahr nehmen teil. Dabei begleiten, solange nötig, Mütter oder Väter die Kinder, die sich in der Kirche versammeln, einen Augenblick gemeinsam mit den Erwachsenen feiern, um dann ins Gemeindehaus zu
gehen.
Die Kirche wird durch viele Konzerte im Jahr belebt, wovon die Hälfte durch professionelle MusikerInnen gestaltet
werden.
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