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Geschichte der Friedhofkultur der letzten 200 Jahre in Norddeutschland und besonders in Amelinghausen.
Der Friedhof wie wir ihn heute kennen, ist in Deutschland erst gerade einmal 200 Jahre alt.
Vorher war es üblich, die Verstorbenen auf einer Fläche, häufig um die Kirche herum, oder auch außerhalb des Kirchplatzes zu Beerdigen. Bezeichnend hier
der Niederdeutsche Ausdruck für Friedhof „ Köster’s Kamp“ , was auch daher kam, das diese Fläche dem Küster zur Nutzung für die Weidung seines Viehs zur Verfügung gestellt wurde. Dies war seinerzeit
fester Bestandteil seines Einkommens !!!
Der Begriff „Kirchhof“ ist für den Friedhof auch heute noch gebräuchlich, dies rührt daher, das der Hof um die Kirche herum für die Bestattungen genutzt
wurde. Da vor ca. 200 Jahren das Vieh auch im bewohnten Dorf weidete, wird sicherlich der Küster sein Vieh auch um die Kirche herum weiden lassen haben.
Eine Bepflanzung der Grabstelle wie wir sie heute kennen, setzte sich erst Anfang des 1900. Jahrhunderts durch. Die Gräber wurde allerdings schon im
Mittelalter vereinzelt mit Blüten und Blumen geschmückt. Diese Blumen sind schon immer auch ein Zeichen der Vergänglichkeit gewesen. Sie sind in Knospe, blühen auf und auch das verblühen gehört zu einer Blume
einfach dazu.
Wo wir gerade bei der Symbolkraft sind. Der Kranz zu einer Trauerfeier ist schon immer das Symbol für die Unendlichkeit und das ewige Leben gewesen. Ein
Kreis, hier in Form eines Kranzes hat kein Anfang und kein Ende, somit unendlich.
Zurück zu dem Friedhofwesen in unserer Gemeinde.
In Amelinghausen ist seit je her die Kirche auch gleichzeitig Friedhofträger. Dies ist nicht überall so und schon lange nicht selbstverständlich. Im
preußischem Landrecht von 1794 findet sich zum erstenmal Ausführungen zum Bestattungswesen. Hiernach waren die Städte für die Friedhöfe zuständig. Nicht so in Amelinghausen. Etwa zu der Zeit entstand der Alte
Friedhof an der Soltauerstraße. War der Kirchgang doch Sonntag obligatorisch und auch verbunden mit einem Besuch der Familiengrabstelle. Der Friedhof an der Soltauer Straße wird in der Anfangszeit vorrangig für die
Orte Etzen und Dehnsen, sowie Ehlbeck und Rehrhof als Friedhof gedient haben, erst als nicht mehr an der Kirche beigesetzt wurde war der Friedhof für ganzen Ort, sogar für das ganze Kirchspiel zuständig.
Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts entschloß sich der Friedhosträger einen „Neuen Friedhof“ in Amelinghausen einzurichten. Diesen Begriff
„Neuer Friedhof“ sollte über 50 Jahre hier bestand haben, man unterschied einfach zwischen „Alten und Neuen Friedhof“. Bezeichnent für die Friedhofsentwicklung des vorigen Jahrhunderts war überall eine
Auslagerung der Friedhöfe aus dem Ort heraus, in den Städte hatten die Friedhöfe zu der Zeit noch nicht einmal einen Anschluß an das Bus oder Bahnnetz der Stadt. Erst als die Friedhöfe mehr einen Parkcharakter
erhielten, wurden sie auch an die Infrastruktur der Orte und Städte angeschlossen. Hier in Amelinghausen baute man zuerst einen Fußweg zum Friedhof, den vom Sportplatz aus, und später auch einen Radweg entlang der
Landesstraße.
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war der wöchentliche Friedhofgang noch durchaus üblich. Ein geflügeltes Wort sagte zu der Zeit: „Sonnabends
wird die Straße gefegt, Auto gewaschen und der Friedhof geharkt!“
In den 90er Jahren kam dann die anonyme Bestattung immer mehr in den Vordergrund. Man wollte seinen Nachkommen nicht auch noch dem Tode zur Last fallen.
Grabpflege sollte keiner der Angehörigen mehr übernehmen müssen. Hier auf unseren Friedhof entschloß sich der Kirchenvorstand für die Halb-anonyme Bestattung. Es entstanden die Rasengräber, verbunden mit einer
Gedenktafel. Diese Gräberform wurde so gut angenommen, dass man schon nach wenigen Jahren eine weitere Fläche für Rasendoppelgräber ausweisen musste.
An dieser Stelle müssen wir es noch einmal klar sagen, Ein individueller Blumenschmuck, bzw Blumenbepflanzung der Grabstellen ist auf diesen Rasenflächen nicht
möglich. Ebenfalls können keine Grablichter in fester Form aufgestellt werden.
Gestatten Sie, liebe Friedhofsbesucher, uns, und damit meine ich ausdrücklich den gesamten Kirchenvorstand auch einen Blick nach vor. Wo geht die
Bestattungskultur in Zukunft hin und was bedeutet dieses für unseren Friedhof?
Auch auf unseren Friedhof sind kaum noch große Grabstelle gefragt. Dies hat natürlich mit der Verkleinerung der Familien hin zu immer mehr werden
Single-Haushalten zu tun. Dieser Entwicklung haben wir uns mit den Rasengräbern angepasst. In den 90er Jahren fing es in den Städten an, gewisse Grabfelder für Personengruppen einzurichten. Hier seien die Grabfelder
für AIDS-Tode genannt. Man ist dabei gegangen und hat abgelaufene große Grabstellen umgestaltet und dort die Aids-Toten bestattet, sonst wären sie irgendwo als mittellose Sozialempfänger bestattet worden. In
Hamburg, auf dem Weltgrößten Parkfriedhof gibt es Grabfelder nur für Frauen, den Frauengarten
oder ein Gräberfeld zur Erinnerung an Ungeborene.
In vielen Europäischen Städten gibt es schon Grabfelder für Anhänger und Fans bestimmter Fußballvereine. Hier kommt noch einiges auf uns zu.
Es werden sich weitere Formen der Gemeinschaftsgrabstätten entwickeln. Diese könnten an einer besonderen Blumensprache orientiert sein:
Zum Beispiel haben wir im Kirchenvorstand besprochen, die neue Rasengräberfläche mit einer Rosenbepflanzung einzurahmen und dieses als Rosengarten auszuweisen.
Eine weitere Gemeinschaftsfläche mit Rasengräbern könnte als Waldgarten mit einer entsprechenden Bepflanzung ausgewiesen werden.
Eine weitere Möglichkeit ist die Einbindung unseres Friedhofes in das öffentliche Wanderwegenetz. Dieser Friedhof liegt landschaftlich wunderschön im Lopautal,
mit seinem Lopausee, Sportplätzen, Badeanstalt und Campingplätzen. Dieses könnten wir nutzen und so weiter öffentlich machen.
Durch all diese Bemühungen soll die Friedhofsfläche ins öffentliche Licht gesetzt werden. Der Friedhof als Teil unseres Lebens und als Ort der
Trauerbewältigung.
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